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1 octobre 2011 6 01 /10 /octobre /2011 13:08

Es war einmal ein Mann, der hieß Kelenako. Er war wohlhabend, denn er besaß viele Ziegen, Kühe, Schafe und Esel. Außerdem hatte er einen schier unerschöpflichen Vorrat an Nahrungsmitteln, so viele, dass er selbst nicht wusste, was er damit anstellen sollte.

 

Juguya sara 1 internetDieser Mann hatte nur eine einzige Schwester. Sie hieß Lafili und lebte verheiratet in einem Dorf namens Nianibougou. Lafili und ihr Mann waren elendig und konnten ihren Kindern manchmal nichts zu essen geben.

Eines Tages verließ sie zusammen mit ihrem jüngsten Sohn das Dorf, um zu ihrem Bruder zu gehen und ihn um ein bisschen Hirse zu bitten. Seit drei Tagen hatten sie fast gar nichts gegessen.

 

Vier Tage lang war die Schwester zu Fuß unterwegs, ehe sie das Dorf ihres älteren Bruders erreichte. Nach der üblichen Begrüßung erklärte sie ihm ihre Lage:

„Großer Bruder Kelenako! Ich bin heute zu dir gekommen, und glaube mir, es ist mir nicht angenehm, deswegen hier zu sein. Es geht mir nicht gut. Ich habe nichts mehr, was ich meinen Kindern zu essen geben könnte. Ob man nun Feuerholz findet oder auch nicht, ein jeder weiß, dass man es im Busch suchen muss. Wenn die Augen sich in ihren Augenhöhlen drehen, dann suchen sie doch immer nach einem vertrauten Gesicht. Außerdem liegt es näher von seiner eigenen Kuh aufgeschlitzt zu werden, als von der eines Unbekannten. Ich bin gekommen, um dich um ein wenig Hirsekorn zu bitten.“

 

Juguya sara 2 bis internet

 

Als Kelenako diese Worte vernahm, wurden seine Augen so rot wie Blut. Er antwortete:

„Lafili, es ist ganz normal, dass du hierher gekommen bist. Du hast mir deine Sorgen erklärt. Was aber meine eigenen Sorgen angeht, sie sind mir völlig unerklärlich. Bei mir gibt es kein einziges Hirsekorn, wie klein es auch sei! Die vergangene Nacht hatten unsere Mägen nichts zu tun. Groll mir nicht, denn ich kann dir wirklich nicht helfen! Du solltest dich hier nicht länger aufhalten. Steh auf und kehre nach Hause zurück, bevor die Sonne untergeht!“

 

Juguya sara 3 internet


Traurigen Herzens ging Lafili mit ihrem Kind zurück.

 

Gleich nachdem seine Schwester fort war, stand Kelenako auf. Er platzte vor Lachen. Er lachte laut, so sehr, dass ihm die Tränen kamen. Er näherte sich seinen Getreidespeichern, die voll mit Hirse waren und rief:

„Ich bin Kelenako! Was bin ich glücklich! Ein Getreidespeicher, zwei Getreidespeicher, drei Getreidespeicher, vier Getreidespeicher, fünf Getreidespeicher - unmöglich, sie alle zu zählen! Sie sind randvoll mit guten Hirsekörnern und gehören mir ganz alleine! Gesegnet bin ich! Ich habe heute genügend davon und werde für alle Zeit genügend haben. Meine Schwester wollte nur ein kleines bisschen von meiner Hirse, ich aber habe ihr geschworen kein einziges Korn zu besitzen. Ich habe sie angelogen und sie hat es mir geglaubt, das bereitet mir eine diebische Freude! Ich liebe es einfach zu anderen gemein zu sein. Um richtig gemein zu sein, muss man bei den eigenen Verwandten anfangen! Wenn man das schafft, dann fällt es einem bei fremden Leuten umso leichter. Wer vor den Augen aller einen Toten ohrfeigt, ist von den Lebenden gefürchtet.“

 

Bei diesen Worten schlich er zwischen seinen Getreidespeichern hindurch und lachte immer wieder laut auf. Während er so umherspazierte, hielt er eine Lobrede auf die Bosheit.

Plötzlich aber fühlte er einen heftigen Schmerz an seiner Wirbelsäule. Es schien ihm, als würde sich sein ganzer Körper allmählich auseinanderziehen. Gleich darauf bemerkte er, dass seine Beine länger wurden. Der Schmerz breitete sich über alle Teile seines Körpers aus und wurde unerträglich. Er stieß einen furchtbaren Schrei aus, woraufhin sich seine ganze Familie um ihn herum versammelte.

Vor den Augen seiner Frauen und Kinder verwandelte sich Kelenako in eine dicke Schlange. Sein Kopf aber blieb verschont.

 

Daraufhin sprach er zu seiner Familie:

„Versteckt mich in meinem Schlafzimmer! Tut alles, damit die Leute nicht wissen, was ich geworden bin! Was ist geschehen? Ich werde es euch sagen: Meine jüngere Schwester ist soeben fort gegangen. Sie hatte mich um Hirse angefleht und ich habe ihr gesagt, ich hätte nichts und habe sie weggejagt. Meine Kinder, ich rate euch allen niemals mehr gemein zu einer von euren Schwestern zu sein.“

 

Bis heute liegt den Bambara das Wohl ihrer Schwestern besonders am Herzen. Und alle wissen, dass jede Bosheit ihren Preis hat.  

 

Juguya sara 4 internet

 

 

Oumar Nianankoro Diarra, Antoine Fenayon und die Schüler der Schule von Fassa

Übersetzung ins Deutsche : Tim Hentschel

 

 

Ce conte est une traduction du conte bambara "Juguya sara", raconté par les élèves du village de Fassa (Mali) et mis par écrit par Oumar Nianankoro Diarra et Antoine Fenayon. La traduction en français, "Le prix de la méchanceté", a également été faite par Oumar Nianankoro Diarra et Antoine Fenayon.

La traduction en allemand a d'abord été faite pas les enseignants d'allemand du lycée de Kolokani, Makan Coulibaly et Boubacar Sidiki Diakité, puis revue par Tim Hentschel.


Ce conte a été recueilli dans le cadre du projet "Contes de Fassa" mené par l'association Donniyakadi.

Les dessins ont été réalisés par les enfants du village de Fassa lors d'ateliers organisés en juin 2010 par Donniyakadi et les enseignants de l'école primaire du village. Ces ateliers étaient encadrés par Karim Diallo, illustrateur venu de Bamako, et Armelle Genevois, membre de Donniyakadi



 


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